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Vierter Törn:

Auf dem Rhein zu Tal. Unterhaltsarbeiten und gemütliche Fahrt in Friesland. Rückfahrt durch die Niederlande, quer durch Belgien und durch Frankreich nach Colmar. Kurzer Reise nach Strasbourg und zurück.

 

Von Colmar mit Verspätung bei Hochwasser auf dem Rhein zu Tal. Unterhaltsarbeiten und gemütliches Fahren in Friesland. (9. April 2006 - 11. Mai 2006).

Rückfahrt  durch die Niederlande, Belgien und Frankreich. (2. Juni 2006 - 12. August 2006)

Kurze Reise von Colmar nach Strasbourg und zurück (9. - 15. September 2006

Eigentlich war geplant, am Dienstag, 28. März 2006 von Colmar nach Breisach zu fahren und dort die beiden Patentinhaber Ernst und Franz an Bord zu nehmen und gemütlich auf dem Rhein zu Tal nach den Niederlanden zu fahren.

Der anhaltende Regen und die Schneeschmelze in den Vogesen haben uns einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Ill führte extrem Hochwasser und brachte Geschiebe mit sich, das die Ausfahrt aus dem Hafen von Colmar verhindert hat.

Erst als sich der Pegel gesenkt und die Strömung sich verringert hatte, konnte die Fahrrinne ausgebaggert werden. Ich war in dieser Zeit drei Mal in Colmar, um mir vor Ort ein Bild zu machen.

Hochwasser in Breisach

 

Am Sonntag, 9. April 2006 – mit 12 Tagen Verspätung – konnten wir endlich den Hafen von Colmar verlassen und nach Breisach fahren. Am nächsten Tag war der Colmarer Kanal bereits wieder gesperrt. Wir haben in Breisach – auf Anraten des Hafenmeisters - ausserhalb des Hafens am Steiger festgemacht. Über Nacht ist der Pegel dermassen gestiegen, dass die Rheinschleusen den Betrieb eingestellt haben. Die starke Strömung verursachte auch Wellengang, was zur Folge hatte, dass die Festmacher auf dem Steiger zu scheuern anfingen. Ich habe mich entschlossen, die BACCHUS in den Hafen zu verholen, was bei der starken Strömung nicht ganz einfach war.

 

Am Dienstagnachmittag konnten wir endlich ablegen und zu Tal fahren. Am Mittwoch haben wir über den Rhinaukanal Strasbourg erreicht.

Zum Glück konnte Ernst seine Freitage und Überstunden an die Ostertage anhängen, damit ich mit einem Patentinhaber an Bord am Karfreitag auf dem Rhein zu Tal fahren konnte.

Es waren happige 12-Stunden-Tage, immer knapp unter der Hochwassermarke II.

In Düsseldorf waren wir Gast bei der Feuerwehr und lagen am Steiger des Löschbootes. Die Besatzung hat uns mit dem Beiboot in die Innerstadt gebracht.

Am Ostermontag haben wir Zutphen erreicht. Ernst und Lisbeth sind mit dem Zug nach Hause gefahren und Marie-Christine und ich sind ganz gemütlich weiter gefahren.

Yeti zeigt uns sein Löschboot

 

 

 

Der Pegel lag lange knapp unter der Hochwassermarke II

 

 

Der Taxidienst der Düsseldorfer Feuerwehr

Das war die eilige Talfahrt auf dem Rhein und die Fortsetzung bis nach Harlingen in Friesland.

Bis nach Strasbourg ist Peter mit Manfred Ersfeld gefahren, dort sind dann Lisbeth und Ernst Camenzind an Bord gekommen und bis Zutphen mitgefahren.

 

Am Samstag, 22. April 2006 waren wir in Harlingen und am Montag ging es pünktlich um 08.00 Uhr bei Harm Visser auf die Helling. Bereits am Dienstag, um 10.45 Uhr war die BACCHUS wieder im Wasser. Der Preis war moderat: Zwei Tage auf der Helling, Unterwasserschiff gereinigt, zwei Mal gestrichen (Epoxy und Antifouling), schwarz gemalt bis ans Freibord, zwei kleine Schweissarbeiten erledigt, rote Verzierungen angebracht: Pauschalpreis € 1'200.-

Die BACCHUS wird überholt... ... und verschönert...

Die weiteren Unterhaltsarbeiten sind auf der Scheepswerf Nieko in Franeker erledigt worden: Oelwechsel, Ventile einstellen, alle Filter auswechseln, Feuerlöscher kontrollieren, Gasschläuche sicherheitshalber ersetzen, leere Gasflaschen gegen volle austauschen, Ersatz-Filter Schmierfett an Bord nehmen.

Nieko und Douwe an der Arbeit

Anschliessend ist Peter mit Freddy noch gemütlich durch Friesland gefahren.

Das war die Rundreise durch die Provinzen Friesland und Groningen.

 

Gemütliches Fahren auf der Dokkumer Ee: unser Liegplatz in Dokkum.

Die BACCHUS wird von den Kamelen bewacht.

Am Donnerstag, 11. Mai 2006 haben wir die BACCHUS  bei den Kamelen gelassen und sind wir für ein paar Wochen nach Basel gefahren, unter anderem zur Hochzeit meiner Nichte Myriam; ich bin ihr Götti.
 

Nach der Prachtshochzeit meines Göttikindes bin ich am 2. Juni 2006 zusammen mit Toni (Antoinette) und Walter Braak mit dem Zug wieder nach Harlingen gefahren und an Bord gegangen.

Irgendwo auf dieser Reise hat mit ein Drecksack mit einer Rasierklinge die Innentasche meiner Jacke aufgeschnitten und meine Brieftasche geklaut. Die Anzeige bei der Polizei in Harlingen und vor allem das Wiederbeschaffen der gestohlenen Ausweise hat viel Zeit und Arbeit gekostet.

 

die Niederwassermarke in Temse

Der zweite Teil der diesjährigen Reise führte von Harlingen durch die ganzen Niederlande von Norden nach Süden bis Maastricht und dann quer durch Belgien von Westen nach Osten, anschliessend durch Frankreich von Süden nach Norden zurück nach Colmar.

Auf der Reise durch die Niederlande haben wir uns wohlbekannte Wasserstrassen befahren: van Harinxmakanaal, Prinses Margrietkanaal, Ganzendiep, Gelderse Ijssel, Pannerdens Kanaal, Waal, Maas, Juliana Kanaal; durch die Provinzen Friesland, Flevoland, Gelderland, Noord Brabant und Limburg. Wir haben in uns wohlbekannten Städten angelegt: Franeker, Leeuwarden, Lemmer, Kampen, Doesburg, Nijmegen, Roermond.

 

der Örgelimaa in Nijmegen

 eine Skulptur in Roermond

 

In Belgien haben wir auch neue Wasserwege entdeckt. Wir fuhren auf dem Albertkanaal, der Zeeschelde und auf dem Kanaal Gent Oostende und lagen in den Städten Antwerpen, Gent, Brügge und Oostende.

Brügge

 

Auch in Frankreich haben wir zum Teil neue Wasserstrassen befahren: Canal de l’Aire, Canal du Nord, die Kanäle zwischen Aisne und Marne, und die uns wohlbekannten: Canal de la Marne au Rhin und den Rhinaukanal.

Wir haben einige schöne Städte besichtigt: Dunkerque, Chauny, Reims, Bar-le-Duc, Nancy, Lützelburg, Saverne und Strasbourg.

Reims

mit diesem russischen Frachtschiff

haben wir die Seeschleuse nach Oostende passiert.

Wir sind in drei Seehäfen gelegen: Antwerpen, Ostende und Dünkirchen. Die Zufahrt zum Liegplatz führt meistens durch einen Teil des Seehafens das dauert ziemlich lange und ist kompliziert.

Die BACCHUS war in dieser Saison mit 11 verschiedenen Besatzungen 102 Tage unterwegs und hat in 303 Betriebsstunden 2'870 km zurückgelegt, 306 Schleusen, 138 bewegliche Brücken, 8 Tunnels (mit einer Gesamtlänge von 18,51 km) und ein Schiffshebewerk passiert.

 

 

Der längste Tunnel mit 4,785 km ist der Souterrain de Mauvages. Wegen der Abgase wird man hier mit einem elektrisch betriebenen Schleppboot geschleppt. Es hat einen Stromabnehmer, wie ein Tram. Die Praxis ist allerdings anders. Der Schiffsführer des Schleppers sagte: Heute ist Sonntag, da kommt der Chef nicht. Schleppen ist viel zu kompliziert. Ich fahre einfach voraus und Sie folgen mir.

 

Dinner is ready vor dem Tunnel

im Tunnel

Das war unsere Rückreise via Gent, Brügge, Antwerpen, Ostende und Dünkirchen und anschliessend durch Frankreich.

   

Wir sind durch vier Länder gefahren.

Deutschland ist für Schiffer, die zum Vergnügen reisen, nicht sehr attraktiv. Der Rhein ist eine Grossschifffahrtsstrasse mit entsprechen viel Berufsverkehr. Landschaftlich ist nur gerade das Gebirge attraktiv. Viele Möglichkeiten zum Anlegen gibt es nicht.

Die Niederlande sind für den Hobby-Schiffer ein Paradies: prächtige Wasserstrassen, viele mit wenig Berufsverkehr, gute, aber nicht sehr billige Liegplätze, viele Städte mit alter, gut erhaltener Bausubstanz, nette Menschen, gemütliche Beizen und jede Menge Werften.

Die belgischen Inlandwasserwege sind schmutzig, schlecht unterhalten und beschildert. In Flandern ist die Infrastruktur etwas besser, aber man muss eine Vignette für € 50.- lösen. Das Kartenmaterial ist mangelhaft und unzuverlässig. Die Liegplätze sind gut und preiswert. Es gibt sehenswerte Städte. Die Auswahl an Biersorten ist unheimlich vielfältig und die Qualität ist ausgezeichnet.

 

In Frankreich habe ich dieses Jahr neue Reviere kennen gelernt, vorab den Canal du Nord, eine Grossschifffahrtsstrasse durch die Picardie. Mit dem Bau ist 1907 begonnen worden und 1914 war der Kanal zu zwei Dritteln fertig gestellt. Während des ersten Weltkrieges ist der ganze Kanal zerstört worden. Der Wiederaufbau erfolgte erst nach dem zweiten Weltkrieg und dauerte bis 1965.

Die Schleusen sind normiert und haben durchwegs eine Hubhöhe von 6 m. Sie bieten Platz für zwei Péniches hintereinander. Deshalb fahren die meisten Berufsschiffer mit zwei Péniches: die hintere schiebt die vordere im Koppelverband. Dann ist die Schleuse voll. Als Hobby-Schiffer muss man das Glück haben, dass man eine Péniche findet, die enkel fährt.

 

 

Bar-le-Duc

mit solchen Draisinen wurde früher getreidelt

 

auf dem Rhinaukanal

Wir hatten viele interessante, lehrreiche und unterhaltsame Kontakte mit den Berufsschiffern und Eignern von Privatbooten.

Am 12. August sind wir nach Colmar in unseren derzeitigen Heimathafen zurück gefahren.

 

Breisach

Niederwasser am Steiger

hier essen wir: im Kaiserstühler Hof

 

Im September ist der Sommer nochmals zurück gekehrt und wir waren nochmals eine Woche unterwegs: Von Colmar nach Breisach, dann auf dem Rhein zu Tal durch zwei Grossschifffahrtsschleusen und auf dem malerischen Rhinaukanal nach Strasbourg, wo wir bei der Légion Étrangère Wein eingekauft haben, einen ordentlichen Côte de Provence, der bei der Institution des Invalides de la Légion angebaut wird.

 

La Chapelle des Mariniers

auf dem Rhinaukanal

Strasbourg:

Le Parlement Européen

Hayka bewacht zuverlässig

den Wein der Légion Étrangère

     

Nach einer Woche waren wir auf dem gleichen Weg wieder zurück in Colmar und es folgten noch ein paar Arbeitstage: Holz lackieren, binnen alles aufräumen und Reinschiff, allgemeine Unterhaltsarbeiten. Ausserdem haben wir alle Decks und Gangbord mit Leinoel behandelt und zuhause die zu ersetzenden Taue gespleisst.

Und wir haben einen bequemeren Liegplatz an Kai statt am zu kurzen Steg.

 

 

 
 
    letzte Aktualisierung am 13.02.2008

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copyright by Peter Rudolf von Rohr