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Dritter Törn

Niederlande - Belgien - Frankreich:

von Harlingen über Belgien nach Paris - St-Jean-de-Losne - Colmar

 

 

Osterwoche: Auswintern

6. Mai - 9. Juli 2005: Harlingen - Belgien - Paris - St-Jean-de-Losne

7. September - 30. September 2005 St-Jean-de-Losne - Colmar

In der Osterwoche haben wir zusammen mit Rita und Kees die BACCHUS ausgewintert. Am Ostermontag haben wir an Bord der BACCHUS in Franeker den Geburtstag von Marie-Christine ausgiebig gefeiert. Der Shantykoor HET LOOPEND TUYG hat ihr ein Ständchen gebracht. Zeitweise hatten wir siebzehn Leute an Bord. Die ersten sind um 16.00 gekommen; wann die letzten gegangen sind, weiss ich nicht, um Mitternacht waren wir im Bett. Tranksame hatte es (ausser Kaffee, Tee und Mineralwasser) kaum mehr an Bord, aber damit haben wir gerechnet.

das war das Geburtstagsständeli ... Francesco hat für uns ein Lied komponiert

Am 31. März haben wir den 65. Geburtstag von Dieter Hoheisel in Harlingen gefeiert. Wir haben nicht nur gefeiert, wir sind auch noch ein wenig in Friesland gefahren, haben die fälligen Servicearbeiten in der Scheepswerf Nieko machen lassen und die notwendigen Ersatzteile gekauft.

Diese Reise hatte Folgen: Rita und Kees haben inzwischen die Schweiz verlassen, wohnen in Friesland und haben ein Boot gekauft. Kees singt im Shantykoor HET LOOPEND TUYG mit.

Für ein paar Wochen sind wir nach Basel zurückgekehrt und anfangs Mai mit der Eisenbahn wieder nach Harlingen gefahren.

wenn wir zuhause sind, wird die BACCHUS in Harlingen von den Kamelen bewacht

Dann ging es richtig los.

Der erste Teil der Reise führte von Harlingen in Friesland durch die Niederlande von Norden nach Süden, durch Belgien, von Osten nach Westen und anschliessend nach Paris.

 

 

  Auf dem zweiten Teil der Reise fuhren wir von Paris über St-Jean-de-Losne im Burgund mit einem Abstecher auf der Saône zu Berg und zu Tal und anschliessend über den Rhein-Rhône-Kanal zurück nach Colmar.
   
   

Zuerst von Norden nach Süden durch die Niederlande, über die Maas und den Juliana Kanaal, von Osten nach Westen durch Belgien (dort habe ich die Reise in Brüssel kurz unterbrochen, um nach Basel an den Tag der Zünfte zu reisen) und anschliessend auf dem belgischen Canal du Centre, die Sambre, die Oise  und die Seine nach Paris. Das nächste Ziel, St-Jean-de-Losne, erreichten wir über die Canaux du Centre und die Saône.

Dort hatte ich einen Liegplatz reserviert und die BACCHUS einen Monat liegen lassen, damit ich während der Hochsaison die Mietboote vermeiden konnte. Mit dem Schweizerischen Schleusenschiffer Klub unternahmen wir einen prächtigen, ausgezeichnet organisierten Ausflug nach Dole.

Anfangs September sind wir dann - nach einem Abstecher auf die Haute Saône und die Seille - über den Canal du Rhône au Rhin und den Rhein, bzw. Grand Canal d'Alsace nach Colmar gefahren, wo wir unseren neuen Winter-Liegplatz bezogen haben.

den haben wir auf der Seille gekauft das war damals mit der alten BACCHUS auf der Seille

In Verdun-sur-le-Doubs habe ich zufällig erfahren, dass der Canal du Rhône au Rhin oberhalb Montbéliard wegen eines Dammbruchs gesperrt ist. Einige Schiffe lagen dort mehrere Wochen fest, wir haben mit viel Glück nur zwei Tage verloren.

Mit sieben Besatzungen habe ich 2'011 Kilometer zurückgelegt, 470 Schleusen, 91 bewegliche Brücken und 3 Tunnels passiert. Dazu benötigte ich in 94 Tagen insgesamt 404 Betriebsstunden.

In Grouw lagen wir vor dem Restaurant OOSTERGOO (gratis, wenn man dort isst), in Deventer an der Kade (nach Sonnenuntergang für die Berufsschiffe reserviert), in Zutphen wieder im malerischen Vispoorthaven (die Einfahrt  ist nicht einfach, weil die Ijssel eine starke Strömung und die Einfahrt einen Neerstrom hat). Selbstverständlich waren wir wieder in Roermond und sind zwei Tage geblieben, unter anderem um Brennholz einzukaufen; in Maastricht waren wir mit Hayka auf dem Riesenrad.

in Maastricht dürfen Hunde gratis auf dem Riesenrad mitfahren

 

Lüttich ist an sich eine schöne Stadt. Leider haben die Architekten das Ensemble der schönen, alten Häuser entlang der Maas versaut. Sie haben mehr als die Hälfte abgerissen und durch fürchterliche, 14-stöckige Neubauten ersetzt. In Namur, im Port des Jambes, haben wir wieder billigen, roten Diesel getankt (im vorherigen Jahr noch € -.40, jetzt € -.60, aber immer noch billiger als in den Niederlanden oder Frankreich). Der Hafen des Royal Yacht Club Bruxelles ist perfekt eingerichtet, liegt aber weit ausserhalb der Stadt, Gent mit seiner prächtigen Altstadt hat uns dermassen beeindruckt, dass wir zwei Tage geblieben sind (Liegplätze im Zentrum); leider hat das Finanzamt die Kneipe TUSSEN TAP EN TEPEL geschlossen

Chalon-sur-Saône

 

im Stadtzentrum von Gent der Grosseinkauf in Sancerre

 

der flämische Sinn für Humor

Der Hafenmeister von St-Satur hat uns mit seiner Navette nach Sancerre gebracht (und wieder abgeholt); dort haben wir ausgezeichnet gegessen, Wein degustiert und selbstverständlich auch eingekauft.

In Belgien sind die Vorschriften kompliziert und unnötig (Führen einer Flagge: Schiff unter Fahrt, Abstempeln der Papiere in fast jeder Schleuse). Die Wasserstrassen und Häfen sind schmutzig. Das Kartenmaterial stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein. Dies gilt vor allem für Wallonien. In Flandern herrscht Ordnung, aber das ist nicht gratis: man muss eine Vignette lösen.

Am meisten hat uns Paris beeindruckt. In Conflans-St-Honorine kommt man von der Oise auf die Seine und ist erstaunt darüber, dass hier wenig Verkehr herrscht. Von Norden her fährt man auf der Seine zu Berg in einer riesigen Schleife zuerst nach Westen, dann nach Süden, am Bois de Boulogne vorbei und dann südlich vom Stadtzentrum wieder Richtung Osten.

Das war für mich eine der eindrücklichsten Fahrten mit der BACCHUS. Wir sind mehrere Stunden an den Sehenswürdigkeiten von Paris vorbeigefahren, vom Wasser aus gesehen sind sie noch imposanter: Maison Radio-France, Eiffelturm, Jardin des Tuileries, Louvre, Notre Dame. Wir haben etwa zwei Dutzend, zum Teil alte, sehr schöne Brücken passiert.

 

das war die Einfahrt auf der Seine zu Berg nach Paris

 

Der Hafen Port de Paris Arsenal liegt bei der Bastille, am Anfang des Canal St-Martin. Hier lagen früher die Pénichen aus allen Gegenden Frankreichs. Hier wurden Waren umgeschlagen, es wurden Neuigkeiten ausgetauscht und am Abend wurde die Geselligkeit gepflegt.

Der jetzige Port de Plaisance ist 1983 eingeweiht worden. An beiden Ausgängen des Hafens befindet sich eine Métro-Station. Es hat Wasser, Landstrom, WC, Duschen, Waschmaschinen, der Hafen ist überwacht und für Passanten nicht zugänglich. Er ist nicht gerade billig, eine Übernachtung für ein 18-Meter-Boot kostet immerhin € 50.-.

Am Nachmittag haben wir eine Ausfahrt auf den Canal St-Martin unternommen. Ein grossartiges Erlebnis: Die Einfahrt führt durch einen Tunnel unter dem Boulevard Richard Lenoir, das dauert eine gute Viertelstunde. Diese Strecke ist beleuchtet und es gibt auch Oberlichter, die auf den Boulevard Richard Lenoir führen. Dann folgen vier altmodische Doppelschleusen, die alle mit Schwimmpollern ausgestattet sind. Wartezeiten gab es keine.

auf dem Canal St-Martin

Wir haben beeindruckende technische Wunderwerke gesehen: In Belgien brachte uns der Plan Incliné de Ronquières auf einer Strecke von 1.5 km in einer Wanne auf Schienen 60 m zu Tal; der senkrechte Schifflslift von Strépy-Thieu brachte uns auf die Höhe der Basler Münstertürme (73 m).

Das Aquedukt von Briare, erbaut von Ingénieur Gustave Eiffel - der eigentlich Bönickhausen  hiess - zwischen 1890 à 1894, führt hoch über die Loire und ist mit seiner verschwenderischen Dekoration auch heute noch eine Augenweide.

In Colmar angekommen, haben Marie-Christine und ich in Strasbourg die Bootssaison würdig mit einem gemeinsamen Fallschirmsprung beendet.

aus 4000 m Höhe: eine Minute im freien Fall, zehn Minuten am Gleitschirm

 

 
    Letzte Aktualisierung am 13.02.2008

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