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Ich habe les huit commandements
du marinier vom Kalligraphen Andreas Schenk schreiben lassen; ein
Exemplar hängt zuhause, eines auf der BACCHUS und eines in Dieter Hoheisels
Büro in Weener.
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Im Buch "les
bateliers, seigneurs du fleuve ou galériens", welches das Leben
und die Arbeit der französischen Binnenschiffer beschreibt, sind die
"huit commandements du marinier", also die "Acht Gebote der
Binnenschiffer", erwähnt.
Die Gebote
beziehen sich zwar auf die Berufsschifffahrt, sind aber durchaus
auch für Freizeitschiffer zutreffend. In ihrer Aussage und
Formulierung sind sie sehr komprimiert und lassen sich nicht direkt,
jedoch frei übersetzen, erklären und kommentieren.
Premier Commandement: Regarde toujours à tes pieds. Eigentlich:
Schau immer auf Deine Füsse. Oder pass auf wo, Du hintrittst.
Auf jedem
Boot, nicht nur auf den Péniches, ist der Platz, auf dem man sich
bewegen kann eingeschränkt, auch durch allerlei Hindernisse: Leinen,
Poller, Anker, Fender und anderes Zubehör, oder ganz einfach durch
ein nasses oder ein vereistes Gangbord oder Deck.
Um Unfälle,
Verletzungen, das über Bord fallen zu vermeiden, lohnt es sich eben,
die Augen offen zu halten und vorsichtig zu beurteilen, wo man sich
bewegt und hintritt.
Deuxième
Commandement: Salue le bateau qui passe. Eigentlich:
Grüsse das Boot, das an Dir vorbeizieht.
Dies ist schon
eine Sache des Anstandes. Sie beschränkt sich aber nicht nur auf das
Winken, sondern, in der Meinung der "huit commandements", gehört
dazu auch der Austausch von Informationen, über die Wasserwege,
Boote die unterwegs sind, defekte Schleusen und andere Hindernisse,
Zustand der Liegeplätze. Früher erfolgte dies durch Zurufe beim
Kreuzen oder Gespräche am Liegeplatz und in der Schleuse, heute auch
per Funk.
Troisième Commandement: Hâte-toi lentement.
Eigentlich:
Beeile Dich langsam.
Auf dem Wasser
dauert alles viel länger. Man kann nichts erzwingen. Es gibt
Unvorhergesehenes, das man weder verändern noch beeinflussen kann:
Wetter,
Hochwasser, Niederwasser, Pannen am eigenen oder an anderen Booten,
defekte Schleusen, abwesende Schleusenwärter und vieles andere.
Nimm‘s, wie es
ist, Du kannst es nicht verändern.
Quatrième Commandement: Tiens ta péniche en bon état
Eigentlich:
Halte Dein Boot in gutem Zustand.
Ein Boot
braucht, wie ein Haus, viel Unterhalt. Eigentlich noch mehr. Nicht
nur das Äussere, also die Reinigung, die Bemalung, das Ausbessern
von Schäden durch die Berührung mit Brücken und Schleusen gibt viel
Arbeit.
Dazu kommt
noch der Unterhalt der Maschine und der vielfältigen technischen
Einrichtungen, des Zubehörs, wie Leinen und Fender, ganz zu
schweigen vom Unterwasserschiff, das auch ab und zu gewisse
Zuwendungen erfordert und manchmal beim Auswassern unliebsame
Überraschungen zutage fördert.
Ein Boot
sollte (nach Prioritäten aus meiner Perspektive) fahrbar, technisch
funktionierend, bewohnbar und einigermassen gut aussehend sein.
Cinquième Commandement: Accueille les animaux.
Eigentlich:
Empfange die Tiere, oder besser: Nimm Dich der Tiere an.
Dies betrifft
nicht nur die Bordhunde und –katzen, sondern auch die ganze Fauna
rund ums Wasser:
Wasservögel,
die man füttern kann und deren Nester man durch Vermeiden von
Wellenschlag schonen kann. Ins Wasser gefallene Tiere, die man
retten und wieder ans Land setzen kann.
Oder nur ganz
einfach das Beobachten der Tiere am und im Wasser und die
Kenntnisse, die man sich über diese Anwohner aneignen kann.
Sixième Commandemant: Ménage l’éclusier.
Eigentlich:
Geh schonend mit dem Schleusenwärter um, besser: Verdirb es nicht
mit dem Schleusenwärter.
Ganz genau
heisst das Gebot: Ménage l’éclusier et le docker.
Docker sind
die Hafenarbeiter, welche die Péniches beladen und ausladen. Da sie
uns Vergnügungsschiffer nicht betreffen, habe ich sie weggelassen.
Schleusenwärter sind in der Regel Staatsangestellte. Die Schiffer
sind auf sie angewiesen. Für den Schiffer lohnt es sich, mit ihnen
anständig umzugehen, einen kleinen Schwatz zu halten, sich ihre
Sorgen anzuhören und ihnen vielleicht auch ein Trinkgeld zu geben
oder ein Getränk zu offerieren.
Als
Gegenleistung erhält man wertvolle Informationen, eine anständige
Schleusung, vielleicht auch einmal knapp ausserhalb der festgelegten
Schleusenzeiten und ein fröhliches Wiedersehen bei der nächsten
Passage.
Leider werden in Frankreich die Schleusen mehr und mehr
automatisiert, mit Radar, mit Fernbedienung. Die Schleusenwärter
besorgen noch den Pikettdienst bei Pannen und den Unterhalt.
Informationen bekommt man selten und die Zeiten, als sie noch
Gemüse, Wein und schwarz gebrannten Schnaps verkauft haben, sind
auch praktisch vorbei.
Septième Commandemant: Méfie-toi des gens à terre.
Eigentlich:
Misstraue den Menschen (Leuten), die an Land leben.
Vorab sei
festgehalten: Dies bezieht sich nicht ausschliesslich auf die
Fischer.
Das Gebot ist
in der Lebensweise der Berufsschiffer begründet, welche sagen, wir
leben nicht anders als die ‚gens à terre‘, aber immer wieder an
einem anderen Ort. Bei den ‚gens à terre‘ haben sie dadurch eine
Status wie die Zigeuner und werden vielleicht auch ein wenig
benieden.
Ich hatte mit
wenigen Ausnahmen keine Probleme mit den "gens à terre"‘. Für mich
sind dies, ausser den Schleusenwärtern, die Fischer (es gibt solche,
die der Ansicht sind, dass man die Kanäle zum Fischen gebaut hat,
nicht für den Schiffsverkehr), Spaziergänger die Besitzer und
Betreiber der Läden und Restaurants nahe am Wasser.
Huitième Commandement: Ne meurs pas trop loin de la rivière.
Eigentlich:
Stirb nicht zu weit vom Fluss entfernt.
Die
Berufsschiffer liessen sich im Ruhestand meistens in der Nähe der
schiffbaren Gewässer nieder. Schiffer, die ihren Beruf aufgaben,
suchten eine Arbeit in der Nähe des Wassers.
Freizeitschiffer müssen diesem Gebot aus eigenem Entschluss
nachleben. Man kann auch bei Lebzeiten testamentarisch festlegen,
dass die eigene Asche nach dem Ableben in besonders geliebte
Gewässer gestreut wird.
Ich habe die
Asche meiner Frau an unserem Lieblingsliegeplatz an der Haute Saône
ins Wasser gestreut. Sie ist auf einer Fahrt auf dem Canal du Rhône
au Rhin, nahe am Wasser verstorben. Wir sind zusammen gut dreissig
Jahre auf den Binnengewässern gefahren.
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